Wald wirkt in diesem Sommer erschütternd und ernüchternd! Momentan erleben wir in den Wäldern Nordrhein-Westfalens dramatische Entwicklungen. Riesige Flächen mit Fichtenbeständen müssen eilig abgeholzt werden, kilometerweit blicken wir auf tote Bäume und auf bereits kahle Bereiche. Große Holzlager säumen die Wege, Harvester sind im Dauereinsatz. Nach der Trockenheit des letzten Jahres erleben wir wieder ein Jahr mit sehr wenig Niederschlag. Bodenerosion und weiteres Baumsterben ist die Folge.  Die Natur kann sich nicht erholen. Nach der Fichte, leidet die Buche massiv unter der Trockenheit und selbst die tief wurzelnden Eichen ziehen zu wenig Wasser. Die Folgen sind: weniger Blattbildung, weniger Resistenz gegen Schädlinge und Erkrankungen, Gefährdung der Artenvielfalt und wenig Rückzugsmöglichkeiten für die heimische Tierwelt. Und für uns Menschen direkt und konkret: weniger Sauerstoffproduktion! Die grüne Lunge Deutschands kränkelt und schrumpft. Nun könnte man meinen, das gleicht sich weltweit wohl aus. Aber ein Blick über die Grenzen und auf andere Kontinente zeigt uns auch dort verheerende Entwicklungen. Überall wird Urwald zugunsten von Plantagen in Monokulturen vernichtet.

Unsere heimischen Fichtenbestände sind auch in Monokulturen vor 60 bis 80 Jahren als Brotbaum der Waldbauern angepflanzt worden, als man noch schnellwachsendes Holz für Zechenausbau und Holzindustrie gebrauchen konnte. Monokulturen sind leicht abzuernten, aber auch anfällig bei Schädlingsbefall, wie nun bei der massenhaften Vermehrung der fichtenspezifischen Borkenkäfer. Baumsterben aller Fichten ist die Folge. Nun gibt es ein enormes Überangebot an Fichtenholz mit eklatantem Preisverfall. Verschiffung der Stämme nach China scheint die kurzfristige Lösung, um wenigstens einen Teil des Holzes vermarkten zu können. Damit dort Paletten hergestellt werden, um damit wiederum uns mit billiger Wegwerfware zu beliefern. Es ist höchste Zeit, dass ein Jeder von uns sein Konsumverhalten kritisch überdenkt.

Unsere Kinder zeigen uns mutig und engagiert mit den Fridays-For Future-Demonstrationen , dass sie als Leidtragende unseres Konsumverhaltens endlich Veränderungen einfordern, – in Gesellschaft und Politik.

Wie sich der Klimawandel auf die Waldwirtschaft in Deutschland weiterhin ausgewirkt und wie die Forstfachleute Gegenmaßnahmen mit der Wiederaufforstung treffen können, ist derzeit eine hohe Kunst. Dabei ist es fast unmöglich, Prognosen und Planungen für einen Zeitraum von 100 Jahren und mehr zu erstellen. So lange dauert es, bis wieder ein intakter (Misch-) Wald entstanden ist, der sich im ökologischen Gleichgewicht befindet und Heimat für Tiere und Pflanzen, Holz- und Sauerstoffproduzent, Erholungsraum für uns Menschen und Broterwerb für die Waldbesitzer ist.

Ich für meinen Teil kann weiterhin in Exkursionen und Seminaren auf wichtige Sachverhalte aufmerksam machen, mit Kindern,  Jugendlichen und Erwachsenen an einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung arbeiten und selbst kritisch konsumieren. Bei meinen Kinderprogrammen achte ich übrigens bei der Verpflegung der Kinder konsequent auf Lebensmittel aus biologischer Produktion und saisonaler und regionaler Herkunft. Ich vermittele durch meine Naturerlebnisprojekte wichtige Kenntnisse über Ökosysteme, den Artenschutz, Recycling und Upcycling von Rohstoffen. Unsere Kinder saugen diese Informationen begeistert auf. Sie brauchen die Natur für eine gesunde Entwicklung. Die Umsetzung zuhause liegt in der Verantwortung der Elterngeneration!